decken, indem sie sich ihrer „Passion“ entsprechend in gewaltsamen Handlungen betätigen und dabei entweder in den Leiden anderer Befriedigung finden, oder aber (gleich unseren „Masochisten“) auch durch selbsterlittenen, selbstempfundenen Schmerz geschlechtlich erregt werden. Diese weitgehende Begriffsfassung erscheint übrigens insofern nicht ganz unberechtigt, als die beiden grossen Monumentalwerke de Sades - seine „Justine et Juliette“, und fast noch mehr seine „Cent vingt jours de Sodome“ - sich keineswegs ausschliesslich auf das beschränken, was wir unter „Sadismus“ im engeren Sinne verstehen. Sie enthalten vielmehr so ziemlich alle überhaupt denkbaren Spielarten sexueller Perversionen und Perversitäten in buntester Vereinigung und Durchmengung. Sie bilden weit angelegte Museen (oder, wenn das passender erscheint, Raritätenkabinette oder „Schreckenskammern“), in denen sich alle Abnormitäten und pathologischen Spezialitäten des Sexuallebens in Musterexemplaren und in zahllosen Variationen - allem Anschein nach sogar planmässig, oder wenigstens mit einer gewissen absichts- und eindrucksvollen Steigerung - auf- und ausgestellt finden.

Im Gegensatze zu einer solchen Erweiterung und Verallgemeinerung des Begriffes hat Krafft-Ebing bereits in den älteren Auflagen seiner Psychopathia sexualis eine allerdings eng umgrenzte, aber in diesem Umgrenzung anscheinend scharfe und folgerichtige Definition des „Sadismus“ geschaffen. Danach ist „Sadismus“ eine Form sexualer Perversion,

„welche darin besteht, dass Akte der Grausamkeit, am Körper des Weibes vom Manne verübt, nicht sowohl als präparatorische Akte des Koitus bei gesunkener Libido und Potenz, sondern sich selbst als Zweck vorkommen, als Befriedigung einer perversen Vita sexualis“.

Folgerichtig hat Krafft-Ebing im Gegensatz dazu den Ausdruck „Masochismus“ eingeführt - nach dem (am 9. März 1895 verstorbenen) Schriftsteller Leopold von Sacher-Masoch. Unter den Begriff des Masochismus als sexualer Perversion sollen die Fälle gehören,

„wo der Mann, auf Grund von sexuellen Empfindungen und Drängen, sich vom Weibe misshandeln lässt und in der Rolle des Besiegten statt des Siegers sich gefällt“.

Diese Benennungen haben dank der popularisierenden Kraft und der Verbreitung des Krafft-Ebingschen Werkes, längst in der deutschen und auch in dem überwiegenden Teile der ausländischen Literatur unbestrittene Geltung erlangt, obwohl sich gegen die obigen einengenden und schematisierenden Definitionen manche, schon vom empirischen Standpunkte wohlbegründete Bedenken erheben lassen. Wie man leicht erkennt, laufen diese Definitionen darauf hinaus, im

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