für seine menschlichen, nur allzu menschlichen Verfehlungen, wie für die unverkennbare Minderwertigkeit seines späteren literarischen Schaffens - nach den ersten glanzvollen Erfolgen - alle möglichen entschuldigenden und mildernden Umstände bereitwillig zugeben. Aber den uns von seinem Biographen Schlichtegroll aufgedrängten und so absichtsvoll nachdrücklich hervorgekehrten Vergleich mit Goethe müssen wir doch als unwürdige und geradezu ungeheuerliche Profanation in doppeltem Sinne zurückweisen, da wir in Goethe nicht nur die genialste und universellste Dichterpersönlichkeit, sondern auch den vorbildlichen Lebenskünstler und höchsten Meister der Selbsterziehung verehren, während der arme Sacher-Masoch sein Leben lang weder im Sinne der bekannten Faustvorschrift, „die Poesie zu kommandieren“, noch den sein persönliches Dasein verwüstenden Mächten Halt zu gebieten vermochte. Nicht an Goethe, sondern allenfalls an Günther, an Lenz, an den unglücklichen Bürger, an Grabbe und andere durch eigene und fremde Schuld entgleiste „Genies“ mögen wir bei seinem Namen denken. Er „wusste sich nicht zu bezähmen“, müssen wir abschliessend auch von ihm mit den Worten jenes Grössten urteilen, „und so zerrann ihm sein Leben wie sein Dichten“.


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