Bisam

22.07.2000

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    Jahresübersicht 2000 | Monatsübersicht Juli

  1. Datenschlag Peinliche Befragung - Erste Ergebnisse online
  2. US-Aktivist Tony DeBlase ist tot
  3. SM-Kriterien in DSM-IV überarbeitet

Datenschlag Peinliche Befragung - Erste Ergebnisse online

Die ersten Ergebnisse der "Datenschlag Peinlichen Befragung", bei der die Fragen einiger aelterer BDSM-Studien noch einmal gestellt wurden, sind jetzt unter www.datenschlag.org/umfrage/dpb1_ergebnisse.html zu finden. Ausgewertet wurden die ersten 250 Einsendungen; derzeit liegen 350 ausgefuellte Frageboegen vor. Damit hat die Umfrage bereits jetzt mehr Teilnehmer als die meisten der aelteren Studien, mit denen verglichen wurde. Die Stichprobe ist bisher fast durchgehend heterosexuell; allerdings sind unter den - bisher nicht ausgewerteten - Frageboegen ab Nummer 250 auffallend mehr Schwule und Lesben vertreten als unter den hier ausgewerteten, so dass sich die Lage noch bessern wird. Eine Kurzfassung der interessanteren Ergebnisse:

- 50% der Frauen, aber nur 24% der Maenner bezeichnen sich als "ueberwiegend" (also nicht ausschliesslich) heterosexuell.

- 41% der Maenner, aber nur 8% der Frauen bezeichnen sich als "ausschliesslich" oder "ueberwiegend aktiv".

- Nur 34% der Befragten bei Spengler (1977), aber 80% der Maenner der Datenschlag-Umfrage hatten ihre Partnerin informiert. 93% der befragten Frauen haben ihren Partner informiert.

- Die Reaktionen der Bezugspersonen fallen deutlich freundlicher aus: Hatten bei Spengler nur 15% eine positive Reaktion der Eltern zu verzeichnen, 28% eine positive Reaktion der Ehefrau und 48% eine positive Reaktion bei Freunden oder Kollegen, sind es in dieser Umfrage 85%, 81% und 96%. Allerdings liegen auch die Angaben in der Rubrik "mindestens eine negative Reaktion bejaht" mit um die 20% relativ hoch, hoeher als bei Spengler.

- Zwischen 28% und 46% derjenigen, denen die Befragten von ihren SM-Neigungen erzaehlt hatten, reagierten ihrerseits mit einem Gestaendnis ungewoehnlicher sexueller Interessen.

- Hatten bei Spengler 48,5% der heterosexuellen Maenner angegeben, keine Freunde oder Bekannten mit SM-Interessen zu haben, sind es bei Datenschlag nur 21%. Bei Spenglers schwulen Befragten waren es schon 1977 nur 8,6% gewesen.

- Frauen, deren Motivation beim Aufgeben einer SM-Kontaktanzeige der Wunsch nach SM-Sex gewesen war, erhielten im Schnitt deutlich mehr Antworten als Frauen mit anderer Motivation. Allgemein erhielten Frauen auf ihre Kontaktanzeigen im Schnitt 80 Antworten, Maenner nur 4.

- 60% der Frauen, aber nur 34% der Maenner hatten einen SM-Partner im Internet gefunden. Die Bekehrung schon vorhandener Partner hat erstaunlich gute Aussichten auf Erfolg (je 19% der Befragten). Rein zufaellig an einen Partner mit eigenen SM-Interessen geraten waren 15% der Maenner und 18% der Frauen.

- 32% der Maenner und 34% der Frauen, die in festen Partnerschaften leben, haben zusaetzlich lockere Beziehungen; 69% dieser Maenner und 55% dieser Frauen haben ihre festen Partner davon informiert.

- 75% der von Spengler befragten heterosexuellen Maenner, aber nur 31% der Maenner der Datenschlag-Umfrage hatten in den vergangenen 12 Monaten "Analverkehr ueberhaupt nicht erlebt". (Oralverkehr hatten nicht erlebt: Spengler 36% / Datenschlag 15%)

- 15% der Maenner und 36% der Frauen gaben an, meistens oder immer SM-Phantasien oder -Praktiken zu brauchen, um zum Orgasmus zu kommen.

- 20% der von Spengler befragten Maenner, aber nur 9% der von Datenschlag befragten Maenner empfanden ihre Veranlagung als belastend. Bei den Datenschlag-Frauen waren es sogar nur 3%. Jeweils um die 25% geben allerdings an, ihre Veranlagung frueher einmal als belastend empfunden zu haben.

- 22% der von Spengler befragten Maenner, aber nur 2% der Datenschlag-Maenner gaben an, sich nach dem SM-Sex "nicht gluecklich" zu fuehlen. ("Gluecklich" fuehlten sich 53% der Spengler-Stichprobe und 81% der Datenschlag-Stichprobe.)

- 59% der Befragten hatten ihre Vorliebe bereits vor dem 19. Lebensjahr bemerkt. (Spengler: 58%, andere Umfragen aehnliche Werte)

- Das Coming-Out-Alter lag bei den Maennern im Durchschnitt bei 26,3, bei den Frauen bei 28,8.

- Das Interesse an SM wurde bei 5% der Maenner und 2% der Frauen durch Pornographie geweckt (bei Breslow, Evans & Langley 1985 waren es 21,3% und 17,6%). "Legitime Medien", also nichtpornographische Darstellungen in Buechern, Film oder Fernsehen wurden bei Breslow et al. nur von 3,7% der Maenner und 0% der Frauen genannt, bei Datenschlag aber von 27% der Maenner und 13% der Frauen. Ein "natuerliches Interesse" aus Kindheit oder frueher Jugend wird in allen Umfragen von 51% bis 70% der Befragten genannt.

- 18% der befragten Frauen sind als Kind sexuell missbraucht worden. Als Kind misshandelt wurden 12% aller Befragten.

- 4% der Maenner und 1% der Frauen haben schon einmal einen Psychologen wegen ihrer SM-Interessen aufgesucht. 44% und 52% waren zwar schon bei einem Psychologen, aber aus anderen Gruenden.

Die detaillierte Auswertung findet sich unter der angegebenen Adresse. Wenn jemand peinliche Fehler bemerkt, Verbesserungsvorschlaege oder Wuensche nach weiteren Auswertungen hat, freuen wir uns ueber Feedback.


US-Aktivist Tony DeBlase ist tot

Der amerikanische SM-Aktivist und Erfinder der Leather Pride Flag, Dr. Anthony DeBlase, ist tot. Nach Angaben auf den Mailinglisten SM ACT und LeatherHistory starb er am Freitag, dem 21. Juli 2000 um 15.11 Uhr PST (01.11 Uhr MESZ am Samstag). Seinem Tod war eine längere Krankheit vorausgegangen.

Tony "Fledermaus" DeBlase wurde am 03. April 1942 geboren. Um 1988 herum gründete er die Zeitschrift "SandMutopian Guardian" als hetero- und frauenfreundlichere Alternative zu dem Magazin "DungeonMaster". Die Zeitschrift feierte 1998 ihr zehntes Erscheinungsjahr. Am 28. Mai 1989 stellte er auf dem Internationalen Mister Leather Wettbewerb in Chicago zum ersten mal die Leather Pride Flag vor. Die Fahne mit schwarzen, blauen und weißen Streifen sowie einem roten Herz wurde von insbesondere der schwulen Subkultur im großen Stil übernommen, etwas zögerlicher von den Heterosexuellen. Die Flagge wurde im Juli 1989 in der Ausgabe 131 der Zeitschrift "Drummer" abgebildet.

Später arbeitete DeBlase mit dem Leather Archives & Museum in Chicago zusammen an der Leather Timeline, einer der ersten Chroniken des Sadomasochismus.

[Eine vollständigere Biographie folgt, sobald verfügbar]

In ersten Reaktionen auf SM ACT würdigten SM-Aktivisten wie Gayle Rubin, Madoc Pope und Janet Hardy das Lebenswerk von DeBlase. Rubin sprach von einem der wichtigsten Figuren für SM im 20. Jahrhundert.


SM-Kriterien in DSM-IV überarbeitet

Der Dachverband der US-Psychiater, die American Psychiatric Association, hat in einer überarbeiten Version des Diagnosehandbuchs DSM-IV die diagnostischen Kriterien für sexuellen Sadismus und Masochismus geändert. Wie der Arzt Charles Moser am 21. Juli 2000 nach einer ersten Übersicht auf der Mailingliste SM ACT mitteilte, sind in DSM-IV-TR folgende Aussagen enthalten:

- Die Diagnose sexueller Sadismus darf gestellt werden, wenn der Drang oder die Phantasien Leidensdruck erzeugen, aber nicht für Handlungen, außer, wenn sie nicht-konsensuell sind.

- Weibliche sexuelle Sadisten sind selten

- Auf jeden weiblichen Masochisten kommen 20 männliche

- Die Hälfte der betroffenen sind verheiratet

- Sexuelle Sadisten können Krankenwagenfahrer werden, damit sie in die Nähe der gewünschten Reize kommen.

Moser hat einen vollständigeren Bericht angekündigt.

    ORIGINALTEXT

    The latest update of the Diagnostic and Statistical Manual, Fourth Edition, Text Revision has been published by the American Psychiatric Association. I just received the volume and have not gone through in detail, but they have changed the diagnostic criteria for both Sexual Sadism and Sexual Masochism. [...]

1) Female sexual sadists are rare.

2) Sexual sadism can be diagnosed if the urges or fantasies are distressing, but not for behaviors unless they involve a non-consenting partner.

3) There are 20 male to each 1 female masochist.

4) Half the individuals are married.

5) Sexual sadists may become ambulance drivers to bring them into contact with the desired stimulus.



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Erzeugt am: 17.01.2005

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