Bisam

02.06.2001

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  1. REZ TV-Film "Holiday Affair"

REZ TV-Film "Holiday Affair"

Rezension zu dem Fernsehfilm "Holiday Affair", Deutschland/Tunesien 2000, ausgestrahlt am 31. Mai 2001 um 20:15 Uhr auf Pro 7

Dieser Fernsehfilm wurde bereits zweimal in den Schlagworten erwähnt, da Jessica Stockmanns Auftritt als Domina darin vor seiner Ausstrahlung publikumswirksam durch die Presse ging.

Die Handlung: Der Chirurg Andreas Krohn muss wegen beruflicher Überlastung seine Frau Sabine mit dem gemeinsamen Sohn ihren Tunesien-Urlaub allein antreten lassen. In Afrika angekommen lernt Sabine den als Araber gewandeten Europäer Thierry kennen und beginnt mit ihm eine Affäre. Sie kehrt nach Hamburg zurück. Thierry folgt ihr und meldet Ansprüche auf sie an. Um einen Keil zwischen das Paar zu treiben setzt Thierry eine befreundete Online-Domina auf Andreas an, die es tatsächlich schafft, sich von Andreas so von hinten vögeln zu lassen, dass die zufällig dazukommende Sabine zwar mit ihr, der Domina, Blickkontakt aufnimmt, von ihrem Mann aber gänzlich unbemerkt bleibt. Es kommt zu der erwarteten Ehekrise, aber kurz darauf findet Sabine heraus, dass ihr Verehrer Thierry ein psychopathischer Krimineller ist. Der Zuschauer findet zeitgleich heraus, dass er im 185sten Aufguss von "Eine verhängnisvolle Affäre" gelandet ist. In einer munteren Melange aus noch viel unfassbareren Klischees, melodramatischen Effekten, die in der Regel katastrophal misslingen, und haarsträubenden Unglaubwürdigkeiten (Höhepunkt: Andreas springt als eine Mischung aus Batman und Eroll Flynn von einer Brücke auf Thierrys Segelschiff und schwingt sich die Takelage herab) findet der Film nach zwei Toten, aber der Wiederherstellung der glücklichen Familie, sein Ende.

KOMMENTAR

Vom dramaturgisch-inhaltlichen Aufbau bewerte ich diesen Film als die reine Idiotie. Interessanter ist da schon der von ihm transportierte Subtext der Kleinfamilie, deren bürgerliches Glück von pseudo-exotischen Einflüssen von außen gefährdet wird. Zu diesen pseudo-exotischen Einflüssen gehören a) der durch Kleidung und Dialoge als eine Art "Halb-Araber" inszenierte Thierry, b) das Internet ("Ich bin keiner von diesen Internet-Wichsern" protestiert Andreas in einem Streit mit seiner Frau so inbrünstig, als ob Selbstbefriedigung noch immer eine Ungeheuerlichkeit darstellen würde) und c) natürlich die Domina. Letzeres ist insofern interessant, weil eine Domina für die Filmproduzenten nichts anderes zu bedeuten scheint als "Frau, die Lederklamotten trägt, dunkel geschminkt ist, kühl auftritt und ab und zu mit Handschellen herumwedelt". SM-typische Elemente wie Hingabe, Unterwerfung, Auslieferung, Kontrolle oder wasweißichwas tauchen in der Beziehung zwischen Andreas und dieser Person in keiner Weise auf. Hätte man Jessica Stockmanns Rolle ein anderes Kostüm und eine andere Wohnungseinrichtung als Hintergrund gegeben, wäre der Unterschied zu einer x-beliebigen anderen Frauenfigur absolut ununterscheidbar. Lediglich in einer Szene wird die "Online-Domina" bei der Arbeit gezeigt – als sie sich vor einer Webcam selber im Spreadeagle auf einem Doppelbett fesselt. In dieser Szene fehlt zwar auch nur jede Andeutung von Erotik, aber es klärt sich immerhin eine vorhergehende Dialogzeile Jessica Stockmanns: "Meine Fußsehnen sind besonders lang und dehnbar. Das braucht man in diesem Beruf."



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Erzeugt am: 17.01.2005

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