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Der Papiertiger: de Sade, Marquis

 
   
   
   
   
   
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Definitionen

Der Papiertiger ist eine Enzyklopädie des Sadomasochismus, zusammengestellt von Datenschlag. Hier versuchen wir, möglichst umfassend, Begriffe aus dem SM-Bereich zu erklären.



Französischer Namensgeber des Sadismus, 1740 bis 1814, voller Name Donatien Alphonse Francois.

Der Mensch, dessen Name für das Gebiet der sexuellen Lust durch Beherrschung und Schmerzen stehen sollte, wurde am 2. Juni 1740 als Sohn einer Adelsfamilie geboren. Nach seiner Schulzeit begann er von 1754 bis 1763 eine militärische Karriere, nach dem Siebenjährigen Krieg trat er aus und heiratete eine wohlhabende Frau aus der Familie der Montreuiles. Aus dieser Ehe kamen drei Kinder, Louise-Marie, Doniatien-Claude-Armand und Madeleine-Laure.

Seinen ersten Gefängnissaufenthalt begann er 1768, nachdem die Prostituierte Keller, Rose vor Gericht ausgesagt hatte, daß DS sie entführt, eingesperrt, gequält und sexuell missbraucht hätte.
Juni 1772 kam er wieder ins Gefängnis, als einige Prostituierte, die sein Diener Latour in Marseille gefunden hatte, ihn der versuchten Vergiftung anklagten. Es kam über die nächsten Jahre zu mehreren Verhaftungen und mehreren Entlassungen, zu Skandalen, an die teilweise auch seine Frau beteiligt war; schliesslich wurde DS am 13. Februar 1777 in das Gefängnis von Vincennes eingekerkert. Inwieweit die Vorwürfe berechtigt waren, wird sich wohl nie mehr ganz klären lassen.
Im Gefängnis schrieb er die ersten seiner Werke, unter anderem die 120 Tage von Sodom. Während der Französischen Revolution war DS im Irrenhaus, dann wieder einer der Abgeordneten, die Krankenhäuser besichtigen sollten, entkam knapp dem Fallbeil, schrieb patriotische Reden. Bei seiner letzten Verhaftung am 6. März 1801 sah Napoleon persönlich zu, daß DS eingekerkert wurde. Nach seinem Tod am 2. Dezember 1814 sorgte sein ältester Sohn für die Verbrennung seiner letzten Werke. DS' Asche wurde in die Winde verstreut. Es existiert kein Bildnis von ihm.

Der Einfluss von DS ist schwer zu überschätzen, seine philosophischen Aussagen üben auf viele Menschen eine große Anziehung aus. Ganze Legionen von Künstlern und Dichtern haben sich auf ihn bezogen, für viele stellt er die völlige Befreiung des Menschen von gesellschaftlichen Zwängen dar.

Für heutige Sadomasochisten ist er ein schwieriger Namenspatron. Seine Bücher gehen im allgemeinen weit über das hinaus, was man noch als Sadomasochismus im heutigen Sinn bezeichnen würde. Von seiner Biographie her passt er teilweise eher ins Bild eines Realsadist (s. Eintr.: Soziopath)en. Allerdings setzte er sich politisch gegen die Todesstrafe ein und versuchte nie, seine extremen Phantasien im gleichen Maß in die Tat umzusetzen.
Viele Sadomasochisten, die mit de Sade konfrontiert werden, fühlen sich genauso wie Vanilles von den detaillierten Beschreibungen der Praktiken abgestossen. Vor allem Neulinge haben häufig Schwierigkeiten, entweder in der Art "Das soll ich erregend finden", oder weil die in seinen Büchern vorgestellten NC (s. Eintr.: Noncon)-Handlungen sie zwar erregen, sie sich für ihre Gefühle jedoch schämen.

 

Synonyme: Donatien Alphonse Francois, Marquis de Sade, Sade

Siehe auch: Juliette, Justine

Auf diesen Eintrag verweisen: 120 Tage von Sodom, Bloch, Iwan, Florbelle, Geschichte der Forschung, Juliette, Justine, Keller, Rose, Latour, Masochismus, Philosophie, Sadismus, Sadist, Statusspiel

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Stand: 08.04.2001.

 

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