Papiertiger

Der Papiertiger: Manifest, sadomasochistisches

 
   
   
   
   
   
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> Manifest, sadomasochistisches
Mano Destra
Mapplethorpe, Robert

Der Papiertiger ist eine Enzyklopädie des Sadomasochismus, zusammengestellt von Datenschlag. Hier versuchen wir, möglichst umfassend, Begriffe aus dem SM-Bereich zu erklären.



Von der AG S/MÖff zuerst 1991 herausgegebener Text, der gegenüber der Öffentlichkeit die Forderung nach sexueller Selbstbestimmung und dem Ende einer Diskriminierung der sadomasochistischen Subkultur erhebt. Die überarbeitete Version von 1993 lautet:

Sadomasochistisches Manifest - Wer sind wir, was fordern wir?

Wir sind Sadomasochistinnen und Sadomasochisten, die sich in Aktionsgruppen und Initiativen in vielen europäischen Ländern zusammengeschlossen haben, um für das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung einzutreten.

Wir sind für die Selbstbestimmung aller Menschen und dazu gehört unverzichtbar auch, daß jeder, der die Rechte der anderen respektiert, seine eigene Form der Sexualität leben kann.

Niemand ist gezwungen, so zu leben oder zu lieben wie wir, niemand ist gezwungen, unsere Bücher zu lesen, unsere Filme zu sehen oder unsere Feste zu besuchen. Dennoch wird unsere Kultur, wird die sexuelle Minderheit der Sadomasochistinnen und Sadomasochisten immer wieder durch Vorurteile diskriminiert und durch Gesetze kriminalisiert.

Wir sind weder Menschenverächter noch Psychopathen oder Kriminelle. Wir reden weder der Vergewaltigung das Wort, noch der alltäglichen Gewalt gegen Frauen und Männer, wie uns immer wieder aus Unkenntnis oder böser Absicht von denen unterstellt wird, die den Sadomasochismus verurteilen und diffamieren.

In einigen Staaten Europas ist sadomasochistische Sexualität bis heute unter Strafe gestellt. In Grossbritannien wurden 1993 mehrere schwule Sadomasochisten in letzter Instanz zu hohen Haftstrafen verurteilt, nur weil sie in völligem gegenseitigen Einverständnis sadomasochistische Liebe gelebt haben. Solche vorurteilsbeladenen Willkürurteile können sich in der gegenwärtigen Rechtslage
jederzeit in vielen Ländern wiederholen.

So wird bis heute in Deutschland und anderen europäischen Staaten fast jede Form der sexuellen Gewaltdarstellung als strafbare Pornographie verfolgt. Unsere Bücher, unsere Filme werden als jugendgefährdend indiziert oder als Gewaltpornographie verboten und beschlagnahmt, teilweise werden sogar noch schärfere Gesetze gefordert.

Auch wir sind gegen Pornographie, bei deren Herstellung Straftaten wie Nötigung, Vergewaltigung oder Kindesmissbrauch begangen werden, aber wir verwahren und gegen eine pauschale Kriminalisierung, die unsere gesamte Kultur als strafbare Gewaltpornographie abstempelt. Wir fordern eine Neufassung aller Gesetze in Europa mit dem Ziel, Darstellungen sadomasochistischer Liebe und Sexualität als grundsätzlich legitim anzuerkennen, um so der ungerechtfertigten Kriminalisierung ein Ende zu machen und ein Zeichen zu setzen für den Abbau der verschiedenen Formen von gesellschaftlicher Diskriminierung, denen wir ausgesetzt sind.

Sadomasochismus auf der Grundlage des freien Willens und der Selbstbestimmung ist eine Form der persönlichen Sexualität, die alle europäischen Verfassungen wie auch die Europäische Menschenrechtskonvention garantieren.

Für mehrere Millionen Menschen in Europa ist dieses selbstverständliche Grundrecht unter dem Druck von Diskriminierung und Kriminalisierung eingeschränkt, vielen Menschen wird es völlig verwehrt.

Der im Text angesprochene Fall in England wird unter Spanner Case besprochen.

 

Synonyme: sadomasochistisches Manifest

Siehe auch: Organisationen

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Stand: 26.08.2000.

 

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