Texte

SM-Gruppen, Aufzucht und Pflege — Teil I

Inhalt

Ziele diese Textes
Gründe fürs Gründen
Voraussetzungen
Mitstreiter
Gruppenstrukturen
Angebote und Infrastruktur
Gründung und erste Treffen
Ehrenamtliche und Hauptamtliche
Werbung
Der eingetragene Verein
Finanzen
Gemeinnützigkeit/Steuerbegünstigung, Fördermittel
Führung, Vorstand, Wahlen und Generationenfolge
Resourcenmanagement
Integration von Minderheiten, Fokussierung
Krisen, Burnout und Präventionsstrategien
Vernetzung/Öffentlichkeitsarbeit
Rechtliche Aspekte
Anhang 1: Leitfaden für Leiter einer Einsteigergruppe
Anhang 2: Themenvorschläge für Themenabende
Anhang 3: Vereinssatzungen von Quälgeist Berlin e.V. und BiNe e.V.
Literatur
Danksagungen
Copyright, Haftung und Verbreitung

Ziele dieses Textes

Dieser Text wendet sich an Mitglieder der sadomasochistischen Subkultur, die in ihrer Umgebung eine SM-Gruppe, einen Verein oder eine überregionale Gruppe gründen wollen. Er soll bei der Definition von Zielen, der Wahl einer Struktur und den ersten Schritten helfen. Er ist kein Patentrezept. Die Arbeit vor Ort haben immer noch die Gruppengründer, und weder kann ein Befolgen aller Schritte einen erfolgreichen Start garantieren, noch wird eine Gründung die ganz anders angepackt wird, automatisch scheitern. Er ist aus den Erfahrungen einiger Gruppen entstanden (Schlagwerk Hamburg, SMart/Rhein-Ruhr, BDSM Berlin, smigo München). Der Text bezieht sich nur auf offene, nichtkommerzielle Strukturen, mit anderen (Studios, "Zirkel") haben wir keine Erfahrung.

Geschichtlicher Hintergrund:

Anfang der 90er Jahre fand in Deutschland eine Welle von Gruppengründungen in der nichtkommerziellen Subkultur statt. Mit großem Elan wurden in vielen Städten Stammtische, Gruppen und Vereine gegründet, die allerdings kaum zehn Jahre später zum größten Teil entweder ihre selbstgesteckten Ziele eindeutig verfehlt hatten oder die es schlicht nicht mehr gab. Nur wenige Gruppen haben den Generationenwechsel von den Gründern zu nachwachsenden Organisatoren gemeistert. Dieser Texte versucht, Gründe für das Absterben und Empfehlungen für erfolgreiche Gründungen vorzustellen.

Dieser Text bezieht sich auf die Situation in Deutschland. Manches dürfte auf Österreich und die Schweiz übertragbar sein, manches nicht. Länderspezifische Ergänzungen werden gerne entgegengenommen.

Gründe fürs Gründen

Gruppen werden im Allgemeinen aus einer Mischung von uneigennützigen und egoistischen Motiven gegründet.

Typische Gründe sind:

Anerkennung oder Spielpartner zu suchen ist nicht verwerflich, man sollte sich allerdings darüber im klaren sein, wie diese Gründe eigene Entscheidungen beeinflussen und auf lange Sicht die Struktur der Gruppe prägen. Gruppen, die von Leuten auf der Suche nach Spielpartnern gegründet wurden, werden auch später den Schwerpunkt wahrscheinlich eher auf Aktivitäten für die halbwegs regelmäßigen Teilnehmer legen, während Gruppen, die explizit für die Betreuung von Neulingen gegründet wurden, sich in ihrem Angebot auch eher auf die Neulinge ausrichten. Arbeitskreise und Organisationen wie Datenschlag funktionieren wieder ganz anders.

Viele Gruppen sind von Leuten gegründet worden, die einer Gruppe beitreten wollten, und nach der Feststellung, dass es keine gibt, die Sache selbst in die Hand genommen haben.

Vor dem Gründen ist es also durchaus sinnvoll, die zukünftige Struktur der Gruppe und ihren Sinn daraufhin abzuklopfen, inwieweit sie mit der eigenen Motivation zusammenpassen: niemand wird gerne über längere Zeit eine Gruppe leiten, mit der er sich eigentlich gar nicht mehr so richtig identifizieren kann.

Wenn man sich über die eigene Motivation im klaren ist, dann kann man auch besser überprüfen, ob nicht eine schon bestehende Gruppe dies leisten kann. Es ist in der Regel schwierig und als Einzelperson auch sinnlos, einer schon bestehenden Organisation Konkurrenz zu machen; häufig ist es sinnvoller, dort mitzumachen und damit Einfluß zu nehmen.Die Gründung einer SM-Gruppe sollte kein Selbstzweck sein, sondern sich möglichst an einem bestehenden und bisher nicht erfüllten Bedarf orientieren. Ein guter Grund, eine neue Gruppe neben einer schon bestehenden zu gründen, kann sein, dass die bestehende Gruppe nur noch dahinsiecht und keine neuen Impulse von außen mehr aufnimmt oder eine ganz andere Ausrichtung hat, als man selbst erwartet. In so einem Fall kommt es allerdings schnell zu Konkurrenzdenken zwischen Gruppen - die "Alteingessessenen" befürchten leicht, dass die "Newcomer" ihnen die Butter vom Brot nehmen wollen, während die neue Gruppe grade am Anfang neidvoll auf die Größe der bestehenden Gruppe blicken mag.

Voraussetzungen:

Man muss kein Manager sein, um eine SM-Gruppe ins Leben zu rufen. Man muss keine Erfahrung mitbringen. Einige erfolgreiche Organisationen der Subkultur - von gemeinnützigen Vereinen wie BDSM Berlin e.V. bis zum Charon Verlag in Hamburg - sind von Leuten gegründet worden, die bis dahin noch nicht einmal stellvertretender Klassensprecher gewesen waren. Tops und Doms können genauso gut oder schlecht eine erfolgreiche Gruppe gründen wie Switcher, Bottoms oder Subs, die Spielpersönlichkeit ist für den Erfolg als Gruppenleiter vollkommen unerheblich. Notwendig ist hingegen:

Intelligenz, Witz, Offenheit, die Fähigkeit, auf andere einzugehen, eine starke Persönlichkeit und Charme sind ausgesprochen hilfreich (und unglücklicherweise nur begrenzt lernbar). Es ist auf jeden Fall sinnvoll, am Anfang so viele Leute wie möglich an der Gründung zu beteiligen; jeder hat seine Stärken und Schwächen. Viele Kompetenzen wachsen einem im Laufe der Zeit zu (zum Beispiel Führungsqualitäten). Vor allem sollte man nicht mit großen Augen und kleinem Selbstbewußtsein auf länger bestehende Gruppen schauen. Jede von denen hat mal klein angefangen.

Mitstreiter:

Viele der in den letzten Jahren neu entstandenen Gruppen sind von Leuten aus Internet-Chats gegründet worden. Der Grund dürfte hauptsächlich darin zu suchen sein, dass sich im Rahmen der Chats bereits eine informelle Gruppe findet, die es erleichtert, für eine spätere Gruppengründung mehr als eine Person zusammenzutrommeln. Wahrscheinlich profitiert jede Gruppengründung davon, wenn sie von mindestens drei Leuten unternommen wird. Eine Gruppe von Gründern minimiert auch das Risiko, dass die Gruppe allzu eingleisig wird bzw. der Gründer schnell in den Burnout läuft.

Gründen mehrere Personen, dann sollte möglichst früh klar sein, wer welche Aufgaben übernimmt. Eine frühzeitige Aufteilung von Kompetenzen hilft, Führungsstreitigkeiten zu vermeiden, wenn zwei oder mehr Führungspersönlichkeiten mitmachen. Häufiger hingegen ist die Situation, dass sich keiner so recht qualifiziert fühlt, eine Gruppe anzutreiben und strategische Entscheidungen zu fällen. In einem solchen Fall sollte vielleicht zunächst darauf verzichtet werden, einen formellen Chef zu bestimmen und stattdessen sollten Entscheidungen im Team gefällt werden. Nach ein paar Monaten kristallisieren sich in der Regel schon "Ressortbesetzungen" heraus. Achtung: es qualifiziert sich nicht als Anführer, wer innerhalb kürzester Zeit möglichst viele Aufgaben an sich reißt.

Gruppengründer sollten sich möglichst früh über die ihnen zur Verfügung stehende Zeit klarwerden und die Aufgaben, die sie übernehmen, entsprechend wählen. Niemand ist damit gedient, wenn Leute sich übernehmen, um dann nach einiger Zeit alles hinzuwerfen. Studenten haben einen klaren Vorteil, da sie ihre Zeit relativ frei einteilen können. Aber auch sie beenden irgendwann ihr Studium und müssen dann ehrlich genug sein, ihre Aufgaben dem geringeren Zeitbudget anzupassen.

Gruppenstrukturen

SM-Gruppen lassen sich grob einteilen in (real existierende Gruppen vereinigen häufig Elemente aus mehreren Kategorien):

Informelle Gruppen (Stammtische und Munches): sind öffentliche Gruppen, die keine Vereinsstrukturen aufweisen. Der Schwerpunkt liegt auf gemeinsamen Veranstaltungen von Leuten, die sich über eine gewisse Zeit hinweg kennen.Sie decken häufig einen Gutteil des Freundes- und Bekanntenkreises der Mitmacher ab. Stammtische haben meist keine weitergehenden strategischen Ziele wie Öffentlichkeitsarbeit und dergleichen. Sie haben den Vorteil, relativ wenig betreuungsintensiv zu sein. Aufgrund der eher informellen Struktur von Stammtischen ist es relativ leicht, so etwas auch als Einzelperson zu starten.

Spiel- und Fetengruppen: Ziel ist es, durch Bündelung von Resourcen private und halböffentliche Feten zu veranstalten, Spielpartner zu finden und durch einen mehr oder minder abgeschlossenen Zirkel Spinner außen vor zu halten. In der Regel finden keine auf Neulinge ausgerichteten Veranstaltungen statt. Eventuell werden gemeinsam Räume gemietet und "SM-Großgerät" gekauft. Solche Gruppen lassen sich wohl nur in einem ziemlich großen SM-Bekanntenkreis gründen (oder als Ausgründung aus einer Gruppe).

Gruppen für Outinghilfe und Neulingsberatung: diese Gruppen richten sich in ihrem Angebot weniger an die Teilnehmer sondern nach außen, an Neulinge und solche, die sich unsicher sind, ob sie es werden wollen. Bei den Veranstaltungen dominieren Informationsveranstaltungen, Themenabende und Fragestunden. Eine solche Gruppe bringt einen gewisen organisatorischen Aufwand mit sich, da regelmäßige Termine eingehalten werden und sich genug Leute finden müssen, die derlei altruistische Motive mitbringen. Solche Gruppen haben scheinbar die Tendenz, sich zu Vereinen zu konsolidieren. Für sie sind neben Erfahrungen im SM-Bereich auch die Fähigkeit, auf Leute zuzugehen und "peinliche" Fragen zu beantworten, gefragt.

Eingetragene Vereine: (Siehe auch Der eingetragene Verein) Gruppen, die sich als Verein registrieren lassen, bringen damit den Anspruch zum Ausdruck, mehr als nur eine vorübergehende Einrichtung zu sein. Vereinen hängt ein Image von Spießigkeit und Langeweile an - allerdings hat es handfeste Vorteile, die eigene Gruppe als Verein einzutragen:

Nachteilig ist, daß Vereinsarbeit zusätzlichen organisatorischen Aufwand bedeutet. Vereine sind dem Vereinsrecht unterworfen, das Bestimmungen für Dinge wie die Wahl eines Vorstands, Mitgliederversammlungen, Eintragungen beim Amtsgericht, evtl. Rechenschaftsberichte, Steuern, die der Verein auf Einnahmen zahlen muss usw. enthält. Dieser Aufwand kann von Nichtjuristen in der Regel nur geleistet werden, wenn mehr als nur eine Handvoll Personen in der Organisation tätig sind.

Arbeitskreise, Gruppen für Gesundheitsfürsorge, Informationsgruppen: Hier steht ein Spezialziel im Vordergrund, während die allgemeine Outinghilfe eher von andern Gruppen geleistet wird. Solchen Gruppen können aktiv in der AIDS/Hepatitis-Prävention sein, sie können Informationen zusammentragen oder Aspekte wie SM und Recht, SM und Medizin, SM und Christsein etc. behandeln. Sie haben häufig der Ehrgeiz, als Hintergrund-Support für andere Gruppen zu dienen. Datenschlag ist so eine Gruppe. Der bürokratisch-organisatorische Aufwand hält sich meist in Grenzen, dafür ist sicheres Wissen auf dem entsprechenden Spezialgebiet gefragt.

Politische Pressure Groups, kommerzielle Projekte: Außer den notorischen Domina-Studios und SM-Zeitschriften gibt es sowas in der SM-Szene bisher (Ende 2000) nicht. Im schwulen Bereich hingegen existieren von schwulen Ärzten bis Telefongesellschaften eine ganze Reihe von explizit auf Schwule ausgerichteten Firmen, die keine sexuellen Dienste verkaufen. Auch nationale schwule politische Gruppen existieren. Ein Blick in die USA könnte eine Perspektive bieten, was hier noch alles fehlt. Die wesentlich stärker politisch aktiven SM-Gruppen in den USA veranstalten inzwischen regelmäßige Schulungsprogramme für Gruppengründer und -Leiter, die "Leather Leadership Conferences" .

Struktur innerhalb der Gruppe:

Wie innerhalb oder zwischen solchen Kategorien die Gruppe dann strukturiert wird, das liegt im Ermessen der Gründer. Es sind eher autokratische Modelle und eher basisdemokratische möglich - und alle Abstufungen dazwischen. Wird die Gruppe von einer Person gegründet, oder steht von Anfang an ein unwidersprochener Leiter bereit, dann wird die Gruppe zunächst eher diktatorisch geführt werden. Bei diesem Modell ist die Effizienz der Gruppe sehr von der des Leiters beeinflusst. Auf jeden Fall werden Entscheidungen so schneller getroffen. Die Kehrseite ist hingegen, dass Leute eventuell abgeschreckt werden und Themen, die dem Chef nicht wichtig erscheinen, zu kurz kommen.

Das basisdemokratische Modell glänzt durch vollkommene Demokratie und Ineffizienz. Daher ist es wahrscheinlich ratsam, nach der unmittelbaren Gründungsphase Posten per Wahlverfahren zu vergeben. Dies stellt einen guten Kompromiss hinsichtlich Beteiligung der Mitglieder und Effizienz der Entscheidungen dar.

Angebote

Themenabende: werden meist von ein bis drei der Gruppenmitglieder geleitet, die ein Diskussionsthema vorbereiten und dann die Diskussion mit (überwiegend) Neulingen leiten. Der Bedarf an solchen Veranstaltungen ist insbesondere bei Neulingen groß. Aufgabe der Moderatoren ist es, die Diskussion wieder zum Thema zurückzubringen, wenn sie abschweift, allzu überzeugte Selbstdarsteller zu bremsen und Aussagen auch mal zu hinterfragen. Ein Themenabend kann auch mit einem Vortrag eingeleitet werden. Die Wahl der Themen ist frei, hier ist es sinnvoll, nach den Wünschen innerhalb der Gruppe zu fragen. Themenabende erfordern viel Zeit in der Vorbereitung und die Einhaltung fester Termine.

Einsteigergruppen: Die Gruppe bietet hier einen "geschützten Raum", der es Neulingen ermöglichen soll, von ihren Unsicherheiten, Ängsten zu sprechen und ihre drängenden Fragen loszuwerden ohne die Angst haben zu müssen, lächerlich gemacht oder als Perverser angegafft zu werden. Im Gegensatz zu Themenabenden halten sich hier die Betreuer eher zurück und beantworten Fragen der Teilnehmer. Themen sind offen, häufig wird der Betreuer eine grobe Stichwortliste mitbringen und unauffällig versuchen, diese auch anzusprechen, um Aspekte wie SSC, Safer Sex, Safewords, Verantwortung und Missbrauch zu vermitteln. Themen, die die Teilnehmer ansprechen sind meist: Outing ja oder nein? / Mein Freund will mich im Bett nicht mal ein bisschen verhauen / Ist das krankhaft? / Gibt es Grenzen? / Wo fängt SM an? - und natürlich: Wo finde ich eine Frau dafür?
Wichtig: Einsteigergruppen sind nur für Einsteiger da. Leute, die sich da "einleben" sollten irgendwann auch gezielt angesprochen und auf andere Angebote verwiesen werden (auch wenn ihnen das in der Regel missfällt).
Im Anhang 1 findet ein Beispiel für einen Leitfaden, den die Betreuer einer Einsteigergruppe benutzen können.

Niederschwellige Angebote (Munches): Viele trauen sich nicht als erstes auf ein Einsteigertreffen oder zu einem Themenabend. Manche dieser Leute errreicht man durch extrem niedrigschwellige Angebote wie Treffen in öffentlichen Cafes. SM-Themen stehen hier deutlich im Hintergrund, es soll vermittelt werden, dass "diese Perversen" nicht bedrohlich und auch nicht ganz anders sind als man selbst. Die freundliche Atmosphäre und nette Leute erhöhen die Bereitschaft, sich mit "denen" zu identifizieren, erheblich. Daher hat sich auch ein Verzicht auf Outfit bei solchen Veranstaltungen bewährt. Solche Angebote sind auch ein gutes Forum, um die eigene Gruppe vorzustellen und die Leute auf andere Veranstaltungen aufmerksam zu machen. Es ist wichtig, dass sich die Gruppe oder zumindest die Organisatoren dafür verantwortlich fühlen, Neulinge aktiv zu integrieren, um den Eindruck zu vermeiden, es handele sich um eine geschlossene Gruppe guter Bekannter.
Aufgrund des unverbindlichen Charakters und der eher hohen Fluktuation werden sich immer Leute finden, für die das nicht das Richtige ist, da sie mit mehr Ruhe über Probleme diskutieren wollen. Themenabende und Einsteigergruppen sollten - wenn möglich - ebenfalls angeboten werden

Veranstaltungen für Nicht-Sadomasochisten: Werden meist von größeren und schon etwas länger bestehenden Gruppen aus dem Willen heraus abgehalten, Vorurteile in der Vanilla-welt uns gegenüber abzubauen. Diskussionen an Unis, Infostände bis hin zu Kontakten zu Organisationen wie Pro Familia können ein zwar mühsamer, aber dennoch wichtiger Schritt sein, SM aus der Bizarr-Ecke rauszuholen. Für sowas ist ein sicheres Auftreten und einiges an Faktenwissen wichtig.

Krisenberatung: Irgendwann kommt in jeder SM-Gruppe der Augenblick, in dem sich jemand mit der Bitte um Hilfe an euch wendet. Das kann ein psychisches Problem sein, z.B. Menschen, die sich aufgrund von ihrer BDSM-Neigung krank fühlen. Das kann aber auch ein gesellschaftliches Problem sein, z.B. die Kündigung des Arbeitgebers nach dem Outing. Die meisten Bitten werden aber aus dem zwischenmenschlichen Bereich kommen: misslungene Spiele, verlassener Partner.

Wenn man offiziell "Krisenberatung" anbietet, z.B. in einer Anzeige schaltet "Probleme mit SM? Selbsthilfegruppe trifft sich regelmässig", erzeugt man eine höhere Erwartungshaltung, so ein Schritt ist zumindest am Anfang einer Gruppe nicht zu empfehlen.
Ein paar wichtige Grundsätze für ein Krisengespräch:

Krisenberatungen kann man in psychologischen Schulungen lernen. Wenn ihr stärker in diesen Bereich einsteigen wollt, setzt euch mit dem örtlichen Schwulenverband oder der Aidshilfe in Verbindung, die haben in der Regel Psychotherapeuten, die Schulungen zu diesem Thema durchführen. Auch wenn die oben geschilderten Probleme abschreckend klingen, sind sie doch in der Praxis recht selten. Es ist gut, vorbereitet zu sein, aber man braucht sich durch die theoretische Möglichkeit dieser Komplikationen nicht abschrecken zu lassen.

Stammtische: Wie oben erwähnt gibt es Gruppen, deren einziges Angebot ein regelmässiger Stammtisch ist. Diese Stammtische sind relativ unverbindlich, daher werden sich auch Leute dahintrauen, die zu einer Selbsthilfegruppe eher nicht gehen würden (siehe auch niederschwellige Angebote). Andererseits sind Stammtische aufgrund der Umgebung, der Lautstärke und des Alkoholkonsums eher ungeeignet, um als Einsteiger sein Herz auszuschütten und brennende Fragen zu stellen. Darüber hinaus wirken Stammtische auf Neulinge wie eine geschlossene Gruppe guter Bekannter, wo viele sich schwertun, Kontakte zu knüpfen.
Aber auch andere Gruppen und Vereine veranstalten häufig einen Stammtisch, an dem sich die Organisatoren und Mitglieder (und auch Neulinge) treffen. Der Schwerpunkt liegt bei solchen Gruppenstammtischen dann weniger auf der Integration von schüchternen Häschen sondern es treffen sich Leute, die sich schon länger kennen. Das fördert den Zusammenhalt der Gruppe - und die allgemeine gute Laune :-)

Workshops: Jeder kann irgendetwas. Also kann auch irgendjemand irgendetwas zeigen. Der Wunsch nach "Praxis" ist tatsächlich für viele der Grund, eine SM-Gruppe aufzusuchen. Man weiß nicht so genau, wie man fesselt, und man hofft vielleicht auf den einen oder anderen tollen Tip, was "man noch so alles machen kann".

Dementsprechend müssen Workshops nicht perfekt sein. Es ist aber sinnvoll, die Präsentation des Workshops der Professionalität entsprechend aufzuziehen. Ein "Japan-Bondage-Workshop Kunst und Ästhetik" wirkt anders in der Ausschreibung als ein "Gebrauchsfesselung, jeder bringt ein paar Seile mit und dann schauen wir mal". Bei Workshops ist die Abstimmung von Inhalt auf die Zielgruppe ungemein wichtig. Ein Klinik-Workshop mit allerhand ausgefallenen Praktiken kann bei Anfängern eher Panik und Ekel auslösen; bei langjährigen Szenegängern wiederum wird die Erklärung von Panikhaken eher Müdigkeit verursachen.
Wichtig ist die Frage der Praxis. Auch hier ist eine klare Ausschreibung von Vorteil.

Bondage hat schon den Vorteil, dass man im relativ "unsexuellen" Bereich bleiben kann. Man kann bekleidet bleiben, kann den Intimbereich aussparen. Bei Flag wird es schon schwieriger, bei "Fisten für Anfänger" wird es ganz schwierig. Die Teilnehmer sollten also wissen, ob es ein Vortrag wird, eine Vorführung, oder ob es wirklich ein Workshop ist, und dann in welchem Rahmen sie eingebunden werden. Man kann z.B. so etwas schreiben wie "nach dem Vortrag kann jeder, der mag, selbst mal unter Anleitung Nadeln setzen", "Teilnehmen sollten nur Menschen, die mit ihrer eigenen Nacktheit kein Problem haben" oder "Ein eigener Partner ist mitzubringen".

Checkliste:

Neben den "ich kann was und brings euch bei" Workshops, gibt es auch die Möglichkeit "wir machen was zusammen"-Workshops zu planen. Bastelabende zum Beispiel "wir basteln mit Leder", Besuch im Baumarkt oder Exkursion zum Thema "was ziehe ich auf einer SM-Fete an" für Neulinge, die sich allein nicht in die einschlägigen Läden trauen. Solche Abende sind nicht nur sehr lustig, sie steigern oft auch das Vertrauen und den Bezug zur eigenen Gruppe.

Partys: Damit die Gruppen/Vereinsarbeit nicht völlig ins Sozialpädagogische abgleitet ist eine Spielparty von Zeit zu Zeit wichtig. Leider kann dies bei als gemeinnützig und evtl. sogar mildtätig anerkannten Vereine Ärger mit dem Finanzamt geben: die sehen sexuelle Betätigung nicht als steuerlich förderungswürdig an - wenn dann noch große Einnahmen aus der Party entstehen ist die Gemeinnützigkeit schnell verwirkt (so einem SM-Verein geschehen). Eine Abhilfe kann sein, dass die Party von einem oder mehreren Mitgliedern privat veranstaltet wird und auf die Mitgliederliste des Vereins zurückgegriffen wird. Einnahmen können dann als Spende an den Verein gehen. Hier muss insbesondere von vornherein geklärt sein, wer für eventuelle finanzielle Verluste aufkommt; der gemeinnützige Verein darf das nicht.
Es empfiehlt sich, die Zielgruppe der Partys genau festzulegen: soll es eine offene Party werden oder eine Einladungsparty für halbwegs regelmäßige Besucher? Letzteres sorgt für eine intimere Atmosphäre mit weniger Spannern, da sich die Leute zumindest halbwegs kennen.

Mailinglisten/Webangebote: Die Webseite einer Gruppe ist zunächst die Visitenkarte, nach deren äußerem Erscheinungsbild sich Leute für oder gegen einen näheren Kontakt entscheiden. Daher sollte der Webauftritt genauso geplant werden wie andere Veranstaltungen: das Design sollte an die angestrebte Identität der Gruppe angelehnt sein, z.B. ist es für eine Gruppe, die Einsteiger in "freundlicher Atmosphäre in einem hellen Café" begrüßen will, eher unangebracht, eine in schwarz gehaltende Webseite mit vielen Ketten und Fackeln zu haben. Webseiten sollten aktuell sein; ist das aufgrund der Arbeitsbelastung nicht zu erreichen, dann sollte man "zuletzt geändert am" genauso weglassen wie Terminangaben. Webseiten können neben der Vorstellung der Gruppen auch als Informationsportale mit Mehrwert genutzt werden: Eine Liste aller SM- und Fetischläden der Stadt, eine Liste aller (auch konkurrierender) Gruppen der Gegend, Filmtipps, Büchertipps, Terminkalender der Fetischevents ... All das sorgt dafür, dass Leute die Seiten häufiger besuchen oder eventuell sogar nach häufigerem Nutzen der Seiten auch bei der Gruppe auftauchen. Und es macht viel Arbeit.
Mailinglisten richten sich in der Regel an die Mitglieder der Gruppe und können Telefonketten, Rundschreiben und Orga-Treffs überflüssig machen - wenn die meisten Mitglieder der Gruppe Internetzugang haben. Der Informationsaustausch per Mailingliste ist in der Geschwindigkeit und durch die geringen Kosten anderen Medien überlegen. Allerdings bestehen - vor allem bei Älteren - noch gewisse Vorbehalte gegen die Kommunikation per E-Mail.

Vereinszeitung/Newsletter: Das klassische Mitteilungsblatt für klassische Vereine. Hier werden die Neuigkeiten aus dem Vereinsleben bekanntgegeben, Termine der nächsten Monate und Personalien. In der Zeit des Internets können viele Bereiche davon mit wenig Aufwand auch durch Online-Medien erfüllt werden. Eine Vereinszeitung kostet Geld (Druckkosten und Porto) und macht sehr viel Arbeit. Die personellen Resourcen, die hier gebunden sind, können unter Umständen besser bei der Betreuung von Treffen eingesetzt werden. Daher sollten sich nur größere Gruppen an die Produktion einer Vereinszeitung wagen. Kann man das leisten, dann kann man sie eventuell auch über SM-shops verkaufen oder verteilen und so Werbung für die eigene Sache machen.

Gesundheits- und Sicherheitsinfos auf Papier: Viele Neulinge sind auf der Suche nach Informationen. Verunsichert durch reißerische Berichterstattung wollen sie über Gefahren beim SM Bescheid wissen. Sadomasochisten leben wahrscheinlich promiskuitiver als der Bevölkerungsdurchschnitt und sind daher durch HIV und Hepatitis gefährdet. Gruppen können hier sehr nützliche Aufklärung leisten, wenn sie aus Quellen wie einschlägigen SM-Handbüchern Sicherheitstipps und Listen empfohlener Literatur zusammenstellen. Wenn eine Liste der SM- und Fetisch-Läden, der lokalen Partylocations und Fetischdiscos existiert, kann man daraus eine kleine Broschüre zusammenstellen, die gegen Spende auf Stammtischen und Neulingsveranstaltungen abgegeben wird. Das macht einigen Aufwand und verursacht Kosten, wird aber gerade von Neulingen gern angenommen.
Die Texte von Datenschlag sind zum Teil für einen solchen Zweck geschrieben worden.

Gründung und erste Treffen

Vor dem ersten Treffen: Vor dem ersten öffentlichen Treffen haben die Organisatoren ein paar Aufgaben abzuhaken:

All das kann auf einem Orga-Treff besprochen werden, was dann einer mehr oder weniger formelle Gründung entspricht.

Rechtzeitig vor dem ersten Treffen Werbung machen! Nur wenn die Gruppe schon ein wenig bekannt ist, werden auch Neulinge dazu stoßen. Das bedeutet zwar für die "Kundschaft" eine gewisse Durststrecke, da viele Neulinge, die den ersten Schritt getan haben auch wollen, dass es dann sofort losgeht, mindert aber die Chance, ganz alleine dazustehen. Also wenn möglich Webseite aufsetzen, sich bei den Schlagzeilen bekannt machen, über Mailinglisten und Newsgroups bekannt geben, dass es die Gruppe gibt, eventuell Anzeigen schalten - und immer die ersten Termine bekannt geben.

Das erste Treffen: Begrüßt die Neulinge! Leute, die erkenntlich mit Freude aufgenommen werden werden sich wohlfühlen und auch wiederkommen. Macht keinen Hehl daraus, dass es eine neue Gruppe ist, die sich noch zusammenfinden muss, aber entschuldigt euch nicht ständig. Zeigt Präsenz, zeigt, dass ihr die Ansprechpartner und Organisatoren seid - noch kennen sich wenige. Ihr habt als Gründer das Recht, die Stimmung und die Themen zu definieren. Von Zeit zu Zeit kommen bei solchen Treffen verbal sehr dominante Personen, die vieles besser wissen, die ihre Vorstellungen versuchen durchzudrücken und Leute an die Wand reden. Nehmt sie beiseite und macht klar, wer das angeleiert hat. Sonst kommt es unter Umständen zu einem unnötigen Kampf um die Führung. Sollten sich solche Leute tatsächlich engagieren wollen, dann werden sie das gerne auch erstmal in der zweiten Reihe tun. Wenn sie sich nur produzieren wollen, dann sind sie eh nur ein Klotz am Bein. Eventuell kann man ihre Energie auch dadurch binden, dass man ihnen eine festumrissene Aufgabe zuteilt.

Bezieht helle Köpfe gleich in organisatorische Diskussionen ein, das steigert die Chance, dass sie sich auch engagieren - aber macht kein Orgatreffen daraus.

Lasst es besser nicht zu, dass Fotos gemacht werden, viele Leute wird das abschrecken.

Der eingetragene Verein

Engetragene Vereine können - im Gegensatz zu nichteingetragenen - juristisch selbstständig handeln, also z.B. Verträge abschließen. Der Vorstand eines e.V. kann zum Beispiel im Namen des Vereins ein Büro oder Partyräume anmieten, während bei einem nicht eingetragenen Verein immer eine Privatperson haften muss.

Rechte und Pflichten eingetragener Vereine sind im Vereinsrecht detailliert geregelt. Voraussetzung zur Vereinsgründung sind mindestens sieben Personen, die kein Problem damit haben, dass ihr Name in einem direkten Zusammenhang mit SM öffentlich auftaucht: sie müssen beim zuständigen Amtsgericht eingetragen werden (Kosten ca. DM 120,-, Stand 1999). Die Vereinsgründung muss vor einem Notar geschenen, was Notarskosten von ungefähr DM 25.- (Stand 1999) verursacht.

Vereine (eingetragene und andere) müssen Steuern auf ihre Einnahmen zahlen, sie müssen gewisse Regeln bei den Aufnahmebedingungen für Neumitglieder erfüllen, sie müssen eine Satzung haben und sich registrieren. Ein eingetragener Verein verursacht einiges an bürokratischem Aufwand. Es muss ein Vorstand gewählt werden, insbesondere auch ein Kassenwart, es muss eine jährliche Mitgliederversammlung stattfinden, Änderungen im Vorstand müssen dem Amtsgericht mitgeteilt werden, ein Verein muss eine Steuererklärung abgeben. Alles ziemlich viel Aufwand, es sollte also geklärt werden, wofür.

Gemeinnützigkeit:

Ein eingetragener Verein kann sich um die Gemeinnützigkeit bemühen. Gemeinnützige Vereine haben zwei Hauptvorteile:

Die Arbeit muss der Allgemeinheit zugute kommen. Ob ein SM-Verein nun gemeinnützig ist oder nicht, liegt zum einen an der Satzung, zum anderen an der tatsächlichen Geschäftsführung. Ein Verein, der in seiner Satzung schreibt "wir betreuen psychisch Kranke", aber in Wirklichkeit SM-Partys veranstaltet, ist nicht gemeinnützig.
Die Satzung ist das kleinere Problem. Hier haben die bestehenden eingetragenen Vereine (Smart Rhein Ruhr, BDSM-Berlin e.V. [5] und andere) bereits Satzungen entwickelt, die von der Finanzverwaltung als gemeinnützig anerkannt sind. Hierzu liegt auch eine Stellungnahme eines bekannten deutschen Sexologen vor, der SMart explizit bescheinigte, einen Dienst an der gesamten Gesellschaft zu leisten. Leider stößt sich immer noch das eine oder andere Finanzamt an der Vorstellung, einen SM-Verein als gemeinnützig anzuerkennen.

Das große Problem ist die tatsächliche Geschäftsführung. Ein Verein ist dann gemeinnützig, wenn er fast ausschließlich gemeinnützig tätig ist. Das heißt, wer regelmäßig Partys und Stammtische veranstaltet, ist auch dann nicht gemeinnützig, wenn er ebenso regelmäßig Gesprächsgruppen organisiert. Was aber ist gemeinnützig?
Faustregel: alles, was Spaß macht, ist nicht gemeinnützig. Dazu gehören Partys, Stammtische, Verkauf von Zeitschriften, Workshops wie Bondage, Spielzeugkunde, selbst Sicherheits-Workshops und Kontaktforen.
Was bleibt?
Gesprächskreise, psychische Betreuung, gesundheitliche Aufklärung, gesellschaftliche Weiterbildung. Aufpassen! "politische Betätigung" bedeutet ebenfalls den Verlust der Gemeinnützigkeit. Wir laufen also auf dem CSD mit, um der Gesellschaft zu zeigen, dass wir nicht pervers sind, aber nicht, um die SPD dazu zu bringen, BDSM-diskriminierende Gesetze abzuschaffen.
Dieser Punkt ist formell einfach zu erfüllen, indem das Wort "Politik" einfach nicht verwendet wird.

Mit anderen Worten, je größer der "Spaßanteil" ist, desto kleiner ist die Chance auf Gemeinnützigkeit. Gemeinnützige Vereine dürfen gesellige Zusammenkünfte veranstalten, die im Vergleich zu ihrer steuerbegünstigten Tätigkeit von untergeordneter Bedeutung sind (§58 Nr.8 AO).Kleinere Tätigkeiten, z.B, einmal eine Party, um den Verein zu finanzieren, schaden der Gemeinnützigkeit nicht. Was "fast ausschließlich" genau bedeutet, ist aber Ermessenssache.

Die Arbeit muss selbstlos erfolgen. Das scheint zunächst kein großes Problem zu sein, betreiben doch die meisten Gruppen ausschließlich kostenlose Angebote. Werden allerdings SM-Partys gefeiert, aus denen dem Verein Einnahmen erwachsen, dann gerät die Selbstlosigkeit in Zweifel. Wem das übertrieben vorkommt, der sollte sich vor Augen halten, dass in den Augen der meisten Menschen SM immer gleich mit professionellen Angeboten in Domina-Studios in Verbindung gebracht wird. Finanzbeamte können auf die Idee kommen, hinter dem gemeinnützigen Verein würde sich in Wirklichkeit eine Geldwäscherei des örtlichen Studios verbergen. Dieses Vorurteil wird durch Einnahmen aus Partys natürlich noch geschürt.
Zwecke, die laut Gesetz (§52, Abs.1) gemeinnützig sind und von SM-Vereinen geleistet werden können sind die Förderung von:

Im Einzelnen:

Viele schwule Leder-Gruppen haben diese Diskussion elegant umgangen, indem sie sich als Motorrad-Sportclub (MSC) anmeldeten. AIDS-Hilfen fallen unter Förderung des Gesundheitswesens.

Bislang wurden bei SM-Vereinen folgende Vereinszwecke als gemeinnützig anerkannt:
"die Unterstützung von Sadomasochisten, die wegen ihres geistigen und seelischen Zustandes auf Hilfe angewiesen sind " und "die Förderung der Bildung und Erziehung, indem sich der Verein bemüht, die Allgemeinheit über das Phänomen des Sadomasochismus aufzuklären"

Die Gesundheitsvorsorge (Sicherheitsworkshops und Aidsprävention) führt zwar wahrscheinlich ebenfalls zur Gemeinnützigkeit, wurde behördlicherseits bislang aber noch nicht bestätigt.

Sehr schlechte Erfahrungen wurden mit folgenden Angeboten für Vereinsmitglieder gemacht: verbilligter Verkauf von SM-Zeitschriften durch den Verein, Rabatte in SM-Läden bei Vorlage des Mitgliedsausweises und Stammtische, für die Eintritt verlangt wird. Dies wird vom Finanzamt als unvereinbar mit der Gemeinnützigkeit angesehen.

Steuerbegünstigt aufgrund mildtätiger Zwecke:

Neben- und über die normale Gemeinnützigkeit mit ihren Steuervorteilen gibt es eine besondere Bevorzugung für Vereine, die nur rein altruistisch sind und in Not geratene Personen unterstützen. Hier sind Organisationen wie Frauenhäuser und die Telefonseelsorge gemeint - also auch Bereiche, die SM-Gruppen betreffen könnten. Auch eventuelle SM-Sozialfonds, die in wirtschaftliche Not geratene Sadomasochisten finanziell unterstützen könnten hier reingehören.

Werden Vereine als mildtätig an- und ihnen eine besondere Förderungswürdigkeit zuerkannt, dann hat das große Vor- und einige Nachteile: Sie können auch für Mitgliedsbeiträge Spendenbescheinigungen ausstellen, die zum Steuerabzug berechtigen und sie dürfen Geld an in Not geratene Einzelpersonen ausschütten (naja eben milde Gaben).

Klar, das macht Appetit. Allerdings kommen auch ein paar Nachteile hinzu, die abschrecken: verfolgt der Verein auch gemeinnützige Zwecke (s.o.), dann muss eine klare Trennung der mildtätigen und der gemeinnützigen Bereiche in der Satzung und der tatsächlichen Geschäftsführung herrschen. Die Spenden, die für mildtätige Zwecke gespendet wurden, dürfen auch nur für sie ausgegeben werden. Also dürfen solche Spenden zum Beispiel nicht für Infomaterial ausgegeben werden - für professionelle Mitarbeiter, die persönliche Krisenberatung leisten, aber wohl schon. Dass eine solche Trennung einen ziemlichen Alptraum an finanziellen und organisatorischen Problemen nach sich ziehen kann, dürfte klar sein.

In der tatsächlichen Geschäftsführung gibt es zahlreiche Stolpersteine. Die meisten davon hängen mit Geld zusammen. So darf ein gemeinnütziger Verein zum Beispiel keine Verluste machen (z.B. mit einer Fete, die eigentlich für die Finanzierung vorgesehen ist), und darf Gelder nur für satzungsgemäße Zwecke ausgeben. Ist der Verein mildtätig, dürfen die Gelder aus den mildtätigen Bereichen (z.B. Spenden) auch nur für mildtätige Zwecke ausgegeben werden (z.B. Sorgentelefon).

Schweiz
In der Schweiz gibt es so etwas wie einen eingetragenen Verein nicht, aber für die Beantragung eines Postfachs o.ä. ist es hilfreich, dem Post-Beamten Vereinsstatuten, Name, Anschrift und Unterschrift der Vorstände vorlegen zu können. Steuerlich haben Vereine in der hier angesprochenen Grössenordnung nichts zu erwarten (allerdings auch keine Vorzugsbehandlung in Bezug auf Mildtätigkeit, Spenden o.ä.).

Ehren- und hauptamtliche Mitarbeiter

Ehrenamtliche Mitarbeiter sind das größte Kapital, das eine Gruppe hat. Die Intensität, mit der sie sich für die gemeinsame Sache einsetzen ist ein Barometer für die Lebendigkeit der Gruppe. Die Arbeit, die durch Ehrenamtler erbracht wird ist ziemlich unbezahlbar.

Die Normalität ist im Moment, daß SM-Gruppen ausschließlich ehrenamtliche Mitarbeiter haben. Dies könnte sich ändern, da Vereine ab einer bestimmten Größe durchaus die Mittel haben, jemanden zumindest auf Teilzeitbasis anzustellen. Gemeinnützige Vereine können dafür unter Umständen Zuschüsse von der Stadt oder Wohlfahrtswerken bekommen.

Existieren sowohl Ehrenamtler als auch Hauptamtler, dann muss darauf geachtet werden, dass es keine Reibereien wegen Kompetenzen oder "Wert" gibt.

Der Paritätische Wohlfahrtsverband hat Leitsätze für die ehrenamtliche Arbeit beschlossen, die wir hier zitieren. Wichtige Schritte für die Anerkennung des Ehrenamtes nach innen sind dabei [4]:

Einiges davon ist bei der üblichen Gruppengröße sicher eher Wunschdenken. Deshalb sollte es dennoch nicht in Vergessenheit geraten.

Werbung

Alle offenen und viele der halboffenen Gruppen versuchen, möglichst viele Interessierte zu erreichen. Dazu muss Information so in den Medien platziert werden, dass mit einem möglichst geringen Aufwand eine möglichst große Breitenwirkung erzielt wird. Dazu eignen sich:

Das Internet. Zwar ist Webseitengestaltung noch keine allgemein verbreitete Fähigkeit, aber durch immer ausgefeiltere Programme können das inzwischen auch technischen Laien. Hat man das erstmal geschafft, dann ist das Web unübertroffen in seiner Verfügbarkeit und Breitenwirkung. Ein gewisser Aufwand muss ständig betrieben werden, um die Seiten aktuell zu halten, aber das lässt sich von einer Person nebenbei erledigen. Durch den Wettbewerb sind die Kosten für eine Webpräsenz sehr niedrig (ab ca DM 1.-/Monat - Stand 2000), bzw es gibt auch kostenlose Angebote, bei denen allerdings auf den eigenen Seiten Werbung eingeblendet wird.

SM-Gruppenlisten wie sie beispielsweise in den "Schlagzeilen" aus dem Hamburger Charon-Verlag regelmäßig abgedruckt werden. Dadurch erreicht man hauptsächlich Leute, die ihr Outing vor sich selbst schon hinter sich haben und sich daher trauen, eine SM-Zeitschrift zu kaufen.

Anzeigen in Kontaktmagazinen von Stadtzeitschriften. Das ist schon aufwendiger, da Termine für den Redaktionsschluss zu beachten sind, es meist Geld kostet und immer wieder aufs Neue gemacht werden muss. Andererseits gibt es viele "heimliche" Sadomasochisten, die die einschlägigen Kontaktanzeigen lesen, ohne jemals auf den Gedanken gekommen zu sein, eine SM-Gruppe zu besuchen. Manche von denen werden dann kommen, wenn sie dort lesen, daß es eine Gruppe gibt. Nach dem Internet haben sie die wohl breiteste Wirkung bei geringstem Aufwand.

Flyer, Handzettel, Aushänge: Ausgehängt oder in einschlägigen Läden ausgelegt sollen sie ohne großen Aufwand Leute erreichen. Üblicherweise enthalten sie eine Beschreibung der Gruppe und ihrer Angebote sowie des Zielpublikums. Allerdings fallen für ihre Produktion Kopierkosten an, die recht erheblich werden können, da die Streuverluste ziemlich hoch sind. Sie müssen ständig erneut ausgelegt werden, da sie abgerissen oder als Notizblock umfunktioniert werden. Auf den Handzetteln direkt die Daten der Treffen anzugeben ist problematisch, weil sie sich ohne Vorwarnung ändern können - Leute, die aufgrund der überholten Zettel am falschen Ort erscheinen, sind verärgert.

Ressourcenmanagement

Klingt zugegeben ziemlich übertrieben. Schliesslich will man ja keine Firma, sondern nur eine SM-Gruppe gründen. Für den Anfang reicht auch ein normal gutes Händchen für die Verwendung von Mitteln und den Einsatz von Arbeitskraft aus. Expandiert die Gruppe, dann wird es nötig, sowas schriftlich zu machen - und hier sollte man eher früher als später anfangen.

Ressourcen, die eine Gruppe zu verwalten hat:

Geld: Am Anfang sind üblicherweise die Kosten gering, sie werden vom Gründer getragen. Kopien hier und Internetpräsenz da sind selbst für Studenten bezahlbar. Kommen allerdings regelmäßige Ausgaben für Anzeigen und Verpflichtungen wie Raummiete für Workshops dazu, dann ist es ratsam, diese nicht nur auf mehrere Schultern zu verteilen, sondern auch einen groben Plan aufzustellen, was man sich in welchem Zeitraum leisten kann. Dabei sollte man die Ausgaben immer nach den tatsächlichen Einnahmen planen, nicht sich höhere Einnahmen vornehmen wenn man größere Ausgaben hat. Natürlich gehört zu einem Ressourcenmanagement auch, Möglichkeiten für höhere Einnahmen frühzeitig abzuklopfen: kommt eine Person für die Kopierkosten auf, dann sollte frühzeitig um Spenden (z.B. bei regulären Treffs) gebeten werden. Fallen regelmäßige Ausgaben an, dann sollten sie durch regelmäßige Einnahmen (in Form von Mitgliedsbeiträgen) gedeckt werden.
Erfahrung aus der Kassenarbeit zeigen:
fehlende Buchhaltung, getrennte Kassen bei verschiedenen Leuten, "Konservendosen"mentalität führen zu Chaos, Streit und Misstrauen in der Gruppe und bringen die Gruppe nur unnötig vom eigentlichen Thema ab.

Aktivisten: Nichts ist wertvoller für eine Gruppe als die Leute, die nicht nur konsumieren, sondern auch beitragen (das sind üblicherweise nicht mehr als 10%). Diese Bereitschaft muß gefördert und geschont werden. Selbstausbeutung führt nur zum Rückzug aus der Gruppe. Daher sollten:

Termine: Jede Gruppe kann nur begrenzt viele Termine anbieten. Daher sollten Treffen nicht halbherzig und lauwarm beworben werden, sondern aggressiv! Lieber am Anfang wenige Treffen mit gutem Zulauf, und dann mit steigender Nachfrage das Angebot ausweiten, als viele schlechtbesuchte Termine anzubieten. Das Terminmanagement geht mit dem Aktivistenmanament Hand in Hand, da für jeden Termin jemand zuständig sein muss.

Integration von Minderheiten, Fokussierung

Gruppen sollten integrierend wirken. Jeder Sadomasochist ist eine teilweise wunderliche Sammlung individueller Vorlieben. Daher sollte die Gruppe (zumindest wenn es im Umkreis sonst keine anderen gibt), Neulinge aus einem breiten Spektrum integrieren. Dies ist überraschend schwer, wie man bei überwiegend heterosexuell orientierten Gruppen bei der Integration von SM-Schwulen und -Lesben (bzw. umgekehrt) sehen kann.

Es sollte nicht unterschätzt werden, dass es Minderheiten innerhalb einer Minderheit unter Umständen noch deutlich schwerer haben, zu ihren Phantasien und Vorlieben öffentlich zu stehen. Die eigenen Grenzen sollten auf keinen Fall als allgemeine Richtschnur verkauft werden. Grade für Anhänger etwas extremerer Spielarten kann es sehr wichtig sein, sich in einer Runde akzeptiert zu sehen, selbst wenn diese die Vorliebe nicht teilt. Keinesfalls sollten Gruppen allzu missionarisch werden oder versuchen, die Sexualität ihrer Besucher über die allgemein akzeptieren Mindeststandards der sadomasochistischen Subkultur hinaus zu reglementieren.

Die Kehrseite ist, dass Gruppen nicht dem Zwang erliegen sollten, alles für alle zu sein. Wenn der/die Gruppengründer mit bestimmten Spielarten nichts anfangen können, dann ist es sinnlos, sich explizit auch an Anhänger davon zu wenden. Weder wird man ihnen viel bieten können, noch Spaß dabei haben. Akzeptanz in niedrigschwelligen Veranstaltungen muss dann reichen. Wird mehr verlangt, dann steht der Nachfragende in der Pflicht, ein Angebot zu schaffen (innerhalb oder außerhalb der Gruppe). Randgruppen sollten die Gruppe und ihre Ressourcen als Platform zur Entwicklung eigener Aktivitäten nutzen. Das muss ihnen von Seiten der Gruppe auch gesagt werden.

Die Gründer prägen die Gruppe auch im intellektuellen Anspruch, der sozialen Zusammensetzung und den Themen. Das ist nicht zu vermeiden, daher ist es sinnlos, sich zu grämen, dass dadurch auch Leute abgeschreckt werden. Gewisse Unterschiede im Alter oder Bildungsniveau sind nicht zu überbrücken, die Neulinge müssen dann entweder eigene Angebote schaffen oder sich, so gut sie können, dranhängen.

Krisen, Burnout und Präventionsstrategien

Eine SM-Gruppe wird im Laufe ihres Bestehens sehr wahrscheinlich an der einen oder anderen Stelle Probleme bekommen. Das können Wachstumsschmerzen sein, finanzielle Probleme, Streitigkeiten über die Ausrichtung oder erlahmendes Interesse.

Die Gründungskrise: Die Gruppe ist häufig am Anfang sehr heterogen, was dazu führt, dass sehr unterschiedliche Interessen aufeinanderprallen. Wollen die einen Energie in Neulingsbetreuung stecken, so wollen die anderen eine Gruppe von Bekannten, ohne sich allzusehr mit Fremden abzugeben. Wollen die einen gleich einen Verein gründen, ist das den anderen zu karnickelzüchterhaft, sie wollen nur ein loses Team, das sich um alles kümmert. Unter Umständen bilden sich Fraktionen, die sich gegenseitig blockieren.

Die Lösung einer solchen Situation erfordert von allen Beteiligten Kompromissbereitschaft. In der Regel sind im Rahmen einer Gruppe viele Funktionen zu besetzen und mehrere Angebote zu verwirklichen. Kommt es zu einem Streit, was die Öffnung der Gruppe nach außen betrifft, dann kann es vorteilhaft sein, wenn eine Einigung dahingehend erziehlt wird, dass die Gruppe sowohl Angebote nach außen macht als auch welche, die sich nur an Mitglieder wenden, die schon etwas länger dabei sind. Die Verantwortung für die jeweiligen Angebote wird von denen, die sie gewünscht haben, übernommen.

Wachstumskrisen: Nach einer gewissen Zeit des Wachstums kann sich das Gefühl einstellen, es ginge nicht mehr voran. Die Wachstumsraten haben nachgelassen, neue Projekte werden nicht mehr in dem Tempo entwickelt wie früher und andere Gruppen wachsen schneller. Oder man hat das Gefühl, man wisse nicht mehr wo anfangen, da sich die Arbeit überall türmt, jede Menge angefangene Aktivitäten nach Fertigstellung rufen und Leute abspringen, weil es keinen Spaß mehr macht.

Das ist ein Zeichen von falsch gesetzten Zielen und evtl. ungünstig gesetzten Prioritäten. Da SM-Gruppen so ein weites Feld von Aktivitäten umfassen, kommt es schnell dazu, dass man sich verzettelt, die verfügbare Arbeitskraft falsch einschätzt oder strukturellen Problemen (Kleinstädte, fehlende SM-Infrastruktur) zu wenig Beachtung schenkt. Diese Probleme müssen von den Organisatoren gemeinsam besprochen werden, um eine Fokussierung auf das Machbare zu erreichen. Wenn Mitorganisatoren abspringen, weil sie das Gefühl haben, überfordert zu werden, dann müssen Projekte aufgegeben oder verkleinert werden. Im Zweifel sollten Aktivitäten beibehaltten werden, die Spaß machen und relativ wenig Aufwand erfordern. Und es muss eine gezielte Personalentwicklung betrieben werden, indem unter den Besuchern für Engagement geworben wird.

Selbstlob sollte nicht zu kurz kommen - speziell wenn der Eindruck wächst, es würden keine neuen Impulse von der Gruppe mehr ausgehen. Häufig genug ist das ein Zeichen, daß die Gruppe schon einen Großteil der von ihr erreichbaren ökologischen Nische besetzt hat. Hier hilft es, sich zu vergegenwärtigen, was man alles schon erreicht hat (in der Regel ist das mehr als man so denkt) anstatt die Messlatte immer höher zu legen. Es liegt in der Verantwortung der Leiter, Gelegenheiten zu nutzen, um die Mitarbeiter zu motivieren. Ist etwas Neues erreicht worden, dann sollte es den Mitstreitern auch als etwas Neues und Tolles verkauft werden, nicht als Schritt zu etwas noch Tollerem.

Das Unproduktivste ist, sich Fehler gegenseitig in die Schuhe zu schieben. Geht etwas schief, dann geht es für alle schief. Versiebt jemand etwas, dann hätte der Rest der Gruppe sich auch vorher mal kümmern können. Bei Fehlern sollte man die Ursachen suchen und daraus lernen.

Burnout: gerade diejenigen, die sich besonders engagieren, sind anfällig für Burnout. Sie nehmen sich zu viel vor, bekommen auch von der Gruppe zusätzliche Aufgaben zugeschoben und überlasten sich dadurch. Dann macht es keinen Spaß mehr, wird zu einer lästigen Pflicht, Aufgaben bleiben liegen, am Ende springt derjenige ab. Burnout-Prophylaxe heißt, dass jeder sich sein für die Gruppenarbeit reserviertes Zeitkontingent genau überlegt und darüber hinaus nicht aus Pflichtgefühl weitere Aufgaben übernimmt. Kann eine Aktivität mangels Aktiven nicht erledigt werden, dann muss sie gestrichen werden, niemand sollte sie "ausnahmsweise" noch dazupacken. Organisatoren, die im Beruf stehen, sollten ihr geringeres Zeitbudget auch der Gruppe mitteilen. Größere Gruppen können durch Regelungen wie "eine Person nur eine Aufgabe" und "Aufgaben werden redundant besetzt, damit es nicht zu Flaschenhälsen kommt" ihre Kräfte schonen, während junge und kleine Gruppen ein langsames Wachstum anpeilen sollten.

Finanzielle Krisen: Im Moment der Gründung haben typische SM-Gruppen nur geringe Umsätze und damit auch überschaubare finanzielle Risiken. Solange nur kurzfristige oder geringe Verbindlichkeiten (Online-Kosten, Newsletter, Kopien) eingegangen werden scheint keine Buchhaltung nötig. Das ist aber ein Trugschluss, denn wächst die Gruppe, dann verpasst man schnell den Punkt, wo die Finanzen ohne ordentliche Abrechnung unübersichtlich werden. Spätestens mit der ersten Party müssen Räume angemietet werden; für die Kosten muss ein Mitglied einstehen. Eine SM-Gruppe sollte sich daher von Anfang an eine Buchhaltung zulegen! Diese kann ganz einfach sein: Ein Zettel, in der Mitte einen Strich, links die Einnahmen, rechts die Ausgaben, unten die Summe/den Kassenstand.
Wird unübersichtlich gewirtschaftet und/oder fällt eine Party ins Wasser, dann kann die Gruppe aufgrund der üblicherweise geringen Kapitaldecke den Ausfall nicht auffangen. Hier bietet die Organisation als Verein eine gewisse Rückendeckung, da durch Mitgliedsbeiträge ein regelmäßiger Geldstrom in berechenbarer Höhe aufläuft. Für gemeinnützige Vereine gilt: Vorsicht wegen der Gemeinnützigkeit! Der wirtschaftliche Geschäftsbereich (Partys und sowas) darf seine Verluste nicht durch den ideellen Bereich (Mitgliedsbeiträge) decken, sonst ist die Gemeinnützigkeit weg!

Bisher sind öffentliche Gelder für SM-Projekte noch kein Thema, das kann sich aber in den nächsten Jahren ändern, wenn die Gruppen sich dahinterklemmen. Damit kommen auf die Gruppen finanzielle Risiken zu, die über die bisherigen hinausgehen. Öffentliche Gelder werden trotz Zusage manchmal nicht ausgezahlt, da der Haushaltsposten einer Einsparung zum Opfer gefallen ist. Ist die Gruppe aufgrund der Zusage Verpflichtungen (z.B. Miete) eingegangen, dann bringt sie das in eine prekäre Lage [4]. Sinnvollerweise sollte eine Gruppe solche Gelder für ein abgeschlossenes Projekt ohne Folge/-Dauerkosten verwenden, das erleichtert auch die Abrechnung.
Für Vereine existiert eine Verpflichtung zu präziserer Buchführung. Wird hier nach dem Schuhkarton-Verfahren agiert und ist die Abrechnung für öffentliche Geldgeber nicht transparent, dann können Fördermittel zurückgefordert werden - oder der Verein entdeckt plötzlich, daß Steuern noch nicht bezahlt wurden. Für die ordentliche Buchhaltung ist der gesamte Vorstand verantwortlich, auch wenn die eigentliche Arbeit sinnvollerweise an einen Kassenwart delegiert wird.

Werden Verpflichtungen eingegangen, dann müssen auch Rücklagen dafür gebildet werden.

Vernetzung/Öffentlichkeitsarbeit

Vernetzung:

Es gab Anfang der 90er Jahre den Versuch, die SM-Gruppen offiziell zu vernetzen. Dieser ist allerdings fehlgeschlagen. Im Moment (2000) ist auch kein neuer derartiger Ansatz in Sicht. Neben der informellen Vernetzung durch Bekanntschaften mit anderen Gruppenorganisatoren gibt es im Moment zwei Mailinglisten, die der Vernetzung der Subkultur dienen sollen: Zum einen SMorgasbord ([6]), auf der viele der deutschsprachigen Gruppen vertreten sind. Hier können alle die Organisation betreffenden Fragen gestellt werden. Zum anderen eine Nachrichtenliste (Schlagworte [7]), auf der regelmäßig von den Teilnehmern aktuelle Daten und Informationen, die das Thema SM betreffen, veröffentlicht werden. Beide Listen stehen Teilnehmern und Organisatoren von SM-Gruppen offen.

Öffentlichkeitsarbeit:

Welche Medien? Von allen Medien kommen hauptsächlich die Printmedien (Zeitungen und Zeitschriften) in Frage. Rundfunk und Fernsehen sind durch die Konzentration auf sekundenkurze "Soundbytes" und der Jagd nach Einschaltquoten wahrscheinlich für die Erklärung der komplexen Zusammenhänge ungeeignet - davon können all diejenigen, die in den frühen 90ern in Talkshows ein realistischeres Bild von SM vermitteln wollten, ein Lied singen. Das WWW ist das einzige Medium, das einen vollkommem selbstbestimmten Auftritt erlaubt, daher sollte es genutzt werden.

Voraussetzungen: Die meisten Menschen in SM-Gruppen, die sich für die Mitarbeit in der "Pressestelle" interessieren könnten, sind keine Medienprofis. Um auf dem glatten Eis der Pressearbeit klarzukommen, ist es notwendig, diese Menschen zu schulen und sie auf die Fallstricke aufmerksam zu machen. Dies könnte in Form eines halbtägigen Seminars durch einen Profi geschehen. Es sollte nicht übersehen werden, daß die Mehrheit der Bevölkerung mit der unspektakulären Realität der SM-Gruppen wenig anfangen kann. Die Chance, Gehör zu finden darf also nicht überschätzt werden - und die Gefahr, für die Quote verbraten zu werden, nicht unterschätzt.

Welche Instrumente gibt es? Folgende Instrumente können genutzt werden:

Die ersten vier Punkte sind diejenigen, die Gruppen am besten nutzen können. Dabei ist zu sehen, dass alle Punkte die gleiche Priorität haben. Es ist zwar unbefriedigend, Hintergrundinformationen herauszugeben und dann in dem entsprechenden Artikel nichts von sich zu lesen, aber der Kontakt mit diesem Journalisten kann durchaus bei der nächsten Pressemitteilung einen guten Artikel bescheren. Daraus ist auch ersichtlich, dass die einzelnen Punkte eigentlich nicht vollständig getrennt betrachtet werden dürfen.

Weiterhin ist zu beachten, dass Pressemitteilungen nicht "nur einfach geschrieben und dann gefaxt" werden sollten, sondern im Vorfeld die persönlichen Kontakte zu einem vorbereitenden Gespräch (evtl. mit PM vorab) genutzt werden sollten. Das erhöht die Chance, gedruckt zu werden erheblich. Bei Pressemitteilungen ist oft eine schnelle Reaktion gefragt. Das bedeutet, dass eine sie schnell geschrieben und an den Verteiler versendet werden müssen. Die Regel sollte aber sein: Je weniger Pressemitteilungen geschrieben werden, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit eines Abdrucks. Auf der anderen Seite muss aber, wenn die Arbeit erfolgreich sein will, eine Kontinuität gewährleistet sein.

Telefonische Radiointerviews werden meist als Reaktion auf eine PM angefragt. Diese dauern in der Regel 2-5 Minuten und sind somit nicht sehr arbeitsintensiv, erfordern aber die Fähigkeit zur freien Rede und schnelle Reaktionen. Erst bei politisch hochaktuellen Themen werden die Fernsehsender aktiv. Meist sind dies die Nachrichtenredaktionen, die ein kurzes Statement haben wollen. Hier wird in der Regel ca. 10 min gedreht und in der Nachrichtensendung werden dann maximal zwei bis drei Sätze gebracht. Bei beiden Beispielen ist es wichtig, komprimierte und unzweifelhafte Aussagen zu machen, die auch nicht zerschnitten werden können, so dass ein anderer Sinn entsteht.

Radio und Fernsehen sind auch beim letzten Punkt, der Pressekonferenz, stark vertreten. Pressekonferenzen sind teuer und damit nur etwas für extrem wichtige Themen. Sie werden - auch aufgrund des hohen organisatorischen Aufwands - die große Ausnahme sein.

Erscheinungsbild: Für alle Aktivitäten ist es sinnvoll, mit einem einheitlichen Erscheinungsbild aufzutreten. Dazu zählen Logo, Briefkopf, Schriftart, Papier und farbliche Gestaltung. Ein richtiges Design-Handbuch, das das Aussehen im Detail festlegt ist für die durchschnittliche Gruppe allerdings sicher zu hoch gegriffen. Ist kein Designer oder Graphiker in der Gruppe, dann sollte sich das Erscheinungsbild auf eine markante Schrift für den Kopf und eine unspektakuläre für den Text beschränken.

Rechtliche Aspekte

(Vorsicht, von einem Nichtjuristen geschrieben).
In Deutschland (und wahrscheinlich auch Schweiz und Österreich) sind SM-Gruppen und die von ihnen veranstalteten Partys durchgehend legal. Werden Partys als Einladungsparties veranstaltet, dann handelt es sich um geschlossene Veranstaltungen, für die das Ordnungsrecht nicht greift (Auch wenn die eventuell vom Ordnungsamt geschickten Polizisten was anderes behaupten könnten). Auch Förderung der Prostitution scheidet aus, es sei denn, Dominas werden gezielt als Animateusen eingeladen und von den Gästen bezahlt.
Offene Partys sind viel stärker reglementiert, von Fragen des Jugendschutzes bis hin zum Ordnungsrecht ist hier viel zu beachten.

Eine bisher von SM-Gruppen weitgehend vernachlässigte Gruppe ist die Jugend. Während Schwulengruppen schon seit Jahren mit gutem Erfolg Jugendgruppen veranstalten, traut sich im SM-Bereich bis auf die jüngste gegründete SMJG [8]niemand so recht an das heiße Eisen ran. Unter juristischen Aspekten sollte die Aufklärung und Sicherheitsinformation der Jugend problemlos sein - nur auf Partys darf man sie nicht lassen. Was die Presse und das Fernsehen allerdings mit einer Gruppe machen könnten, die "Sadomasos auf unsere Jugend loslässt" ist unschwer vorstellbar. Daher werden wohl noch einige Jahre lang Jugendliche ihre SM-Informationen aus dem Internet beziehen müssen.

Literatur:

Anlaufstellen:


Urheberrecht:

webmaster@datenschlag.org